Monatsarchiv für Januar 2011

Anfang der 1980er erschienen die „neuen Wilden” zunächst in Italien auf der Bildfläche, um sich bald über ganz Europa und die USA auszubreiten. Ihr Stil ist Vielfalt, die sich nicht einordnen will, sondern rebellieren gegen einengende künstlerische Zwänge. Zu ihrer Intension gehörte auch, an der apathisch-zufriedenen Wohlstandsgesellschaft jener Zeit zu rütteln.

Ein paar Hauptmerkmale der neuen Kunstrichtung lassen sich dennoch ausmachen. Sie zeigt sich in großen Formaten und intensiver Farbigkeit bis Farbenwucht. Die neuen Wilden gestalten ihre Werke bewusst subjektiv und mit unbekümmertem Pinselstrich, ihre Motive sind teils gegenständlich expressiv, teils fern jeder festgelegten Form.

Während in Deutschland Berliner,  Kölner und  Hamburger Künstlergruppen von sich reden machten, wurde und wird die österreichische zeitgenössische Malerei eher von Individualkünstlern vertreten, wie den folgenden:

Siegfried Anzinger, geboren 1953, war einer der Begründer der neuen Wilden seines Heimatlandes. Er studierte an der Wiener Akademie der bildenden Künste und erhielt 2003 den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst, den er mit Größen wie Friedensreich Hundertwasser und Oskar Kokoschka teilt. Eine Besonderheit Anzingers ist die Arbeit mit Leimfarben, die „verwaschen” wirken.

Gunter Damisch, geboren 1958, studierte nicht nur in Wien, sondern hat an der Kunstakademie eine Ordentliche Professur inne. 1996 erhielt Damisch den Oberösterreichischen Landeskulturpreis für Graphik. Seine Spezialität sind Kunstdrucke mit „Zuckertusche”, die selbst hergestellt wird und Ölbilder mit Namen wie “Schokoweltwegfeld”. Seine Werke strahlen in leuchtender Farbigkeit und lebendig-nichtgegenständlichen Formen.

Hubert Scheibl wurde 1952 in Oberösterreich geboren. Auch er war Student an der Wiener Kunstakademie. Auf seinen monumentalen Leinwandbildern verschreibt er sich dem Zauber von Helligkeit, Finsternis und intensiver Farbigkeit. Der Betrachter wähnt sich in einem Spiel der Elemente und einem Tanz mit dem Licht.

Oskar Kokoschka, geboren am 1. März 1886 in Niederösterreich, war wohl der bedeutendste expressionistische Künstler Österreichs. Sein Leben glich einer Achterbahn voll von schicksalshafter Liebe, Kriegserlebnissen und politischer Verfolgung. Seine Kreativität jedoch verließ den Maler, Schriftsteller und Verfasser von Bühnenstücken nie.

Schon in der Schule wurde das Talent Kokoschkas erkannt und gefördert. 1905 bis 1909 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Wien. Einer seiner Lehrer war Gustav Klimt, doch mit dem Jugendstil konnte sich der junge Künstler nur teilweise anfreunden. Dafür entstanden in dieser Zeit bereits expressive Porträtgemälde.

1910 zog es Oskar Kokoschka nach Berlin, wo er für die expressionistische Kunstzeitschrift „Der Sturm” Federzeichnungen veröffentlichte zum von ihm verfassten Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen”. Es folgten erste Ausstellungen und sein Stern am Kunsthimmel begann immer heller zu leuchten.

Doch die unerfüllte Liebe zu Alma Mahler brachte nicht nur eine bedeutende Serie an Lithografien hervor, sondern auch Kokoschkas Entschluss, sich freiwillig im Ersten Weltkrieg zu melden. Er überstand schwerste Verletzungen und diente im letzten Jahr als Kriegsmaler an der Front.

Danach zog es Kokoschka nach Dresden, wo er eine Professur an der dortigen Kunstakademie erhielt. Inspirierende Reisen durch Europa, Nordafrika und an das östliche Mittelmeer folgten. Ab 1931 pendelte er beruflich zwischen Wien und Paris, flüchtete jedoch 1934 nach Prag, da er im Einzugsgebiet der Nazi als „entarteter Künstler” ersten Ranges galt. Hier fand er die Liebe zu Olda Palkovská, die er, nach erneuter Flucht, in einem Luftschutzkeller in London heiratete.

1953 kam Oskar Kokoschka in der Schweiz zur Ruhe, doch das Reisen war ihm Leidenschaft geblieben. In seinen kraftvollen, meist pastösen Werken wird deutlich, dass es dem Künstler stets um den „zweiten Blick”, das „innere Wesen” von Landschaften und vor allem der portraitierten Menschen ging.

1980 starb Oskar Kokoschka in Montreux.