Monatsarchiv für August 2009
Die beste Übersetzung für „Art Brut” lautet wohl in etwa „unverfälschte Kunst”. „Brut” ist ein bekannter Begriff aus dem französischen, zum Beispiel bei „Champagne brut”, was dann mit „herber edler Kunst” zu übersetzen wäre. Der französische Weingroßhändler und Maler Jean Dubuffet prägte 1945 diesen Begriff. Er betrachtete diesen Begriff als sein geistiges Eigentum und als eine Art Gütesiegel und nur er durfte anderen Künstlern diesen Begriff ab- oder zusprechen.
Dabei ist nicht so sehr sein künstlerischer Stil gemeint, sondern eher der Zusammenhang zu seiner Sammelleidenschaft. Ihm lag viel daran diese Kunstrichtung zu dokumentieren, zu sammeln und bekannt zu machen. Diese Haltung wurde von Andrè Breton und auch Harald Szeemann sehr in Frage gestellt. So steht der Begriff Art Brut in Konkurrenz zu den Begriffen wie „Zustandsgebundene Kunst”, „Bildnerei der Geisteskranken” oder „Naive Kunst”. Der Kunststil ist eine Outsider Art, die auch therapeutischen Zwecken diente. In der heutigen Zeit hat sich die Art Brut aber einen eigenen Bereich im Kunsthandel geschaffen und es gibt internationale Messen, wie beispielsweise die New Outsider Art Flair oder die Kunstköln.
Auch die englische Zeitschrift Raw Vision hat sich der Art Brut angenommen. Seit 2000 gibt es für geistig behinderte Künstler den Europäischen Kunstpreis für Graphik und Malerei, den Euward. Jean Dubuffet definierte die Kunstform in einem Katalog zur Ausstellung im Jahre 1949, als eine alternative und subversive Kunstform, die sich deutlich von der- seiner Meinung nach- erstickenden kulturellen Kunst abhob. Er nannte sie „psychopathologische Schöpfungen” und legte viel Wert darauf, dass nicht unterschieden werden sollte zwischen der Kunst von Geisteskranken, Knie- oder Magenkranken. Jean Dubuffet brachte die Kunstsammlung 1951 in die USA, nach East Hampton. 1962 gelangte die Sammlung dann wieder nach Paris und wurde 1967 im „Musèe des Arts dècoratifs” ausgestellt.
Eine zeitgenössische Kunstrichtung der 70er-Jahre wird als geplante oder eben auch als analytische Malerei bezeichnet. Die „Concept Art”, die eine Illustrationsart zeigt, in der sich Konzepte visuell darstellen lassen, löste Ende der 60er- Jahre diese Kunstrichtung aus. Die Grundfarbe Weiß ist ein elementares Stilmittel und verschiedene Künstler, wie beispielweise Niele Toroni, Robert Ryman, Raimund Girke oder Daniel Buren, versuchten durch einen monochromen Auftrag- das sind Abstufung von verschiedenen Tonwerten innerhalb einer Farbe- oder durch einfache Streifen, die Qualität eines Malauftrages und dem Bildträger für sich alleine wirken zu lassen.
Das bedeutet, dass sich die Malerei deutlich reduzierte, nämlich auf ihre Grundstrukturen. Besonders das Zusammenwirken mit den Bildflächen und Bildträgern spielte hierbei eine große Rolle. Diese konnten aus Pappe, Metall, Kunststoff bestehen oder eine übliche Leinwand wurde als Bildträger verwendet. Der etwas modernere Begriff für diesen Kunststil nennt sich „Fundamental Painting”. Unter dieser Überschrift gab es in den 70er Jahren auch eine Ausstellung.
Das Wort analytisch kommt aus dem griechischen und heißt soviel wie „Auflösung”. Manchmal wurden gar keine Farben verwendet, sondern es entstanden Kunstwerke auf eine rationale und kühle Weise in weiß. So ist diese Kunstform also eher als methodisch und analysierend zu bezeichnen und nicht so sehr als schöpferisch.
Die Zeit in den Ländern des Deutschen Bundeslandes zwischen 1815 und 1848, das war vom Wiener Kongress bis zur bürgerlichen Revolution, wird als Biedermeier bezeichnet. Die zu dieser Zeit entstandene Kunst und Kultur, wie beispielsweise die Innenarchitektur, die Hausmusik oder auch die Mode, wird heute mit dem Ausdruck Biedermeier belegt. Aber auch auf die Literatur bezog sich die Bezeichnung und bekam die Anmutung des konservativen, des „hausbackenen”.
Man nannte es das „Vollglück in der Beschränkung”, was soviel heißen sollte, das man ins Private oder ins Idyll flüchtete. In dieser Zeit dominierte die Landschafts- und Genremalerei, neben den vielen Porträts. Die Bilder hatten große Ähnlichkeit mit Fotos, so war der Stil sehr realistisch. Was aber fast völlig fehlte, waren historische oder religiöse Motive.
Die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts diente als Vorbild. Da man aber die Realität ein wenig verbessern und idealisieren wollte, war das Ergebnis dann eher der Pseudo- Realismus. Ein sehr hohes Niveau wurde in der Aquarelltechnik erreicht. Die Lithografie diente vornehmlich der Buchillustration. Namen wie Friedrich Gauermann, Adolph Menzel oder Moritz von Schwind und noch einige andere dürfen hier nicht fehlen. Die sogenannten Zimmerbilder waren in der Biedermeierzeit von großer Bedeutung. Detailgetreue Bilder von Wohnräumen waren damals sehr beliebt. In dieser Zeit entstand auch die Porzellan- und Glasmalerei und das Ansichtenglas, das waren Kunstwerke, die auch Badebecher oder Badegläser genannt wurden, in denen ganze Landschaften und Städte abgebildet waren.